Warum noch Bauer sein, gerade heute? – Vortrag

 

Warum noch Bauer sein, gerade heute ?

Eduard Ulreich – Vortrag Nov. 2016

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder des Schweineerzeugerringes.

Ich werde in den nächsten 30 Minuten darüber reden, welche Erfahrungen ich mit „Bauerntum im Dorf gemacht habe. Dann werde ich aufzeigen welche Werte und welche Art und Weise zu Leben die heutige Zeit bestimmen. Letztlich werde ich ihnen sagen, warum ich überzeugt bin, dass „Bauer Sein heute“ – gerade heute- Bedeutung hat, wichtig ist und es sich lohnt Bauer zu sein!

Zwei Bereiche sind es, die mich seit meiner Kindheit immer wieder mit dem Thema in Berührung gebracht haben und nach wie vor bringen.
Zuerst war es mein Leben im Dorf, in einem sehr großen Familienverband inmitten von Vollerwerbsbauern, Nebenerwerbsbauern, Handwerkern und Bergwerksarbeitern. Und dann meine Arbeit im Bildungszentrum Raiffeisenhof. 36 Jahre habe ich für Bäuerinnen und Bauern Seminare organisiert, Vorträge gehalten und viele Gespräche geführt. Mein Schwerpunkt war und ist die Persönlichkeitsentwicklung der Menschen. Entwicklung am Hof, Zusammenleben in der Familie und die Unterstützung bei Übergabe und Übernahme des Betriebes sowie generell die Begleitung der bäuerlichen Familien in schwierigen Lebenssituationen. Dafür setze ich mich auch heute noch ein koordiniere eine Gruppe von Beraterinnen in unserem Projekt „Zwei Systeme-Eine Welt Zukunft für bäuerliche Familienbetriebe“

Fangen wir dort an, woher ich komme. Mein Vater war weichender Erbe eines für die damaligen Verhältnisse mittelgroßen Bauernhofes im Burgenland. Ich bin in einem kleinen Dorf in der Nähe von Bad Tatzmannsdorf aufgewachsen. In meinem Dorf gab es ein Kohlenbergwerk mit vielen Bergleuten und damals noch 12 Vollerwerbsbauern. – Jetzt gibt es nur mehr zwei. Einer davon ist der Hof, von dem mein Vater gekommen ist. Der wird jetzt von einem Cousin von mir bewirtschaftet.

Als Kind habe ich die bäuerliche Lebensart und bäuerliche Werte erlebt. Bauer sein hat etwas gegolten und die Bauern waren sich auch ihrer Position bewusst. Auf der anderen Seite gab es die Bergarbeiter. Sie kamen oft von weit her und hatten eine ganz andere Kultur und organisierte ihr Leben auch anders als die ansässigen Bauern. Auch damals, obwohl es keine „stinkenden“ Großbetriebe gegeben hat, gab es die klare Unterscheidung. Im Gasthaus zum Beispiel saßen die Bauern auf einer Seite des Gastraumes und auf der anderen die Arbeiter.
Bald hat sich jedoch in diesem sozialen Gefüge eine neue Kraft etabliert. Es waren dies die weichenden Erben mit ihren Familien. Sie führten oft noch einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb und arbeiteten im Kohlenbergwerk, sie wurden Nebenerwerbslandwirte.
Sie alle kamen von den Bauernhöfen und mussten sich nun in der neuen Welt der Arbeiter zurechtfinden. Viele von ihnen, wie auch mein Vater, erlernten einen Handwerksberuf oder gingen für einige Zeit weg von zu Hause, bis sie dann wieder zurückkamen und in unserem Ort ihre Häuser gebaut haben und nun zwischen Nebenerwerb und kleiner Landwirtschaft ihr Leben gestalten.
Sie waren und sind oft zwischen den beiden Welten. Der Welt des Bauern und der Welt der Arbeiter. Aber sie leisteten etwas ganz besonders für das gegenseitige Verständnis im Dorf. Sie kannten einerseits die Lebensform in der Landwirtschaft und erlebten auf der anderen Seite die Arbeit, die Sorgen und Freuden des Arbeiters. Sie hatten mehr Verständnis für die jeweilige Lebensweise. In vielen Situationen waren sie Bindeglied zwischen Bauer und Arbeiter.

Bauer und Arbeiter trafen sich in den Vereinen im Dorf. Bei der Feuerwehr, im Verschönerungsverein, im Sportverein, im Elternverein, im Jugendclub in der Gemeinschaft des Kühlhauses, im Jagdverein und bei der Musikkapelle gab es gemeinsame Interessen, gab es Ziele und Tätigkeiten, wo man sich näherkam und merkte wie der andere denn eigentlich ist. Die Feste und Feiern im Dorf trugen immer zum besseren Verständnis bei. Vorurteile gab es natürlich auch immer wieder, aber viele konnten durch die Teilnahme am dörflichen Leben abgebaut werden.
Man entwickelte mehr und mehr Verständnis füreinander. Da mein Vater ein weichender Erbe war, der dann im Kohlenbergwerk als Berufskraftfahrer und Buschauffeur gearbeitet hat, erlebte ich beide Welten und es fiel es mir nicht schwer in beiden Welten zu Hause zu sein.

Später dann kamen einige neue Bewohner in das Dorf. Sie kamen größtenteils aus der Stadt und haben hier Bauernhöfe und Wohnungen gekauft und sich in unserem Ort ihren Wohnsitz eingerichtet. Für die Bauern und etablierten Bewohner der kleinen Gemeinde gab es nun neue Probleme. Die unterschiedlichen Vorstellungen von Arbeitszeiten, sowie in den Augen der neuen Dorfbewohner Lärm- und Geruchsbelästigungen forderten das Zusammenleben im Dorf heraus. Es waren Reibungspunkte, die nur durch viele Gespräche zumindest zum Großteil gelöst werden konnten.

Wie schaut die Welt in diesem Ort heute aus: Das Kohlenbergwerk musste aus Rentabilitätsgründen geschlossen werden 10 von 12 Bauern haben seit den Jahren meiner Kindheit ihren Hof als Vollerwerbsbetrieb stillgelegt oder verpachtet. Einige davon haben keinen Hofnachfolger gefunden. Die Kinder sind weggezogen oder verdienen sich ihren Lebensunterhalt als Nebenerwerbsbauern. Sie betreiben eine kleine Landwirtschaft nebenbei und müssen oft viele Kilometer bis nach Wien zu ihrer Arbeit fahren.
Die Frage „Warum gerade jetzt noch Bauer sein“ haben sich die Bauern unseres Dorfes auch gefragt. Einige der Betriebe wurden verpachtet oder stillgelegt, weil es einfach keinen Hofnachfolger gab oder weil die Kinder nach einer nicht landwirtschaftlichen Ausbildung im Bezirk und hin bis nach Wien Arbeit gesucht und gefunden haben. Einige Bäuerinnen sind im Tourismus und in den Thermenhotels beschäftigt. Von den zwei Betrieben, die es noch gibt hat sich der eine auf Rindermast spezialisiert und der andere versucht mit mehreren Standbeinen so auch mit Christbaumkultur zu überleben.
Dieser Wandel im Dorf hat viele Folgen nach sich gezogen. Menschen sind weggezogen. Die Alten sind geblieben. Das kulturelle Leben im Jahreslauf ist fast zum Erliegen gekommen. Nachdem dann auch die Volksschule geschlossen werden musste, gab es selbst für die Kinder keine Veranstaltungen.
Mit dem Ende der Vollerwerbsbauern hat sich auch die Seele des Dorfes verabschiedet.
Das war dramatisch. Nur die Feuerwehr ein Sportverein, ein Gasthaus und ein Pensionistenverein waren noch die Säulen der Gemeinschaft. Aber es ist dann doch etwas passiert, was ich nicht erwartet habe:
Seit einigen Jahren sind wieder mehrere junge Familien im Ort. Dies jungen Menschen – Urenkeln und Enkeln von früheren Bauern – sind zurückgekommen und nützen den Ort als Wohnort und nicht mehr als einen Ort, wo man auch arbeiten und seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Einige von ihnen führen wieder eine kleine Landwirtschaft. Weitere Initiativen der jungen Menschen beleben neuerdings den kleinen Ort. Ein Gewerbebetrieb hat sich angesiedelt, eine junge Frau beschäftigt sich mit Kräutern und bietet Kurse und Führungen an. Einer der Urenkeln ist Bauer geworden und konzentriert sich nun schon einige Jahre auf die Schafzucht. Damit erweitert er das enge Denken so mancher Dorfbewohner. Es kommt wieder Leben in das Dorf.

Was hat das alles mit dem Thema „Warum gerade jetzt noch Bauer sein?“ zu tun?

Ich meine, dass aus diesem Beispiel einer Dorfentwicklung viel abzulesen ist. Das was in unserem Dorf geschehen ist, geschieht überall im Lande. Die wirtschaftliche Situation fordert Entscheidungen von den Bauern. Das Zusammenleben mit der anderen nichtbäuerlichen Bevölkerung ist oft schwierig und ein gutes Miteinander nicht selbstverständlich und die Bauern waren und sind Kulturträger besonders im Dorf.

Der Satz: Wenn es keine Bauern gibt, geht auch die Seele in einem Dorf verloren, ist sehr bezeichnend für die Bedeutung des Bauern in unserer Gesellschaft.

Auch heute ist unsere Gesellschaft ständig im Wandel.
Sie können wahrscheinlich auch von Veränderungen erzählen, die sie in ihrem Ort erlebt haben. Wie viele Vollerwerbs-Bauern sind sie noch? Wie sehr beteiligen sie sich an dem Dorfleben?

Lt. Agrarstrukturzählung 2013 der Statistik Austria gibt es seit dem EU-Beitritt in Österreich 30 Prozent weniger bäuerliche Betriebe Wir haben noch etwa 239.000 Landwirtschaftliche Betriebe. Davon sind 92 Prozent aller Betriebe Familienbetriebe. Es gibt nach wie vor den Trent zum immer größeren Betrieb. 1995 Durchschnitt 31,8 ha, 2013 Durchschnitt 43,5 ha!
Seit 1995 hat es besonders am Schweinesektor eine rasante Entwicklung gegeben. Der durchschnittliche Bestand hat sich von 35 auf 102 Tieren verdreifacht, obwohl der Gesamtbestand von 3,7 Millionen Schweine um 19 Prozent auf 3 Millionen zurückgegangen ist. Von den rund rund 7.500 Schweinebauern in der Steiermark haben etwa 2500 die Schweinezucht zu ihrem Hauptberuf gemacht. (1500 Mitglied bei Styriabrid)

Sie könnten sicher auch erzählen von den Menschen in ihrem Dorf, die einander nicht verstehen, wo es Schwierigkeiten gab und gibt im Zusammenleben. Schwierigkeiten die daraus entstehen, dass man die Art und Weise des Lebens des jeweils andern nicht nachvollziehen kann.
Als Bäuerin und Bauer kann es für das Zusammenleben im Dorf nur das Ziel geben den anderen Menschen näher zu bringen, wie heute auf ihrem landwirtschaftlichen Betrieb gearbeitet wird. „Wir dürfen uns nicht verstecken“ sagt dazu Werner Pail. Der Sprecher der Initiative Saugut – Steirische Schweinebauern 3.0“

Fragen Sie sich auch: „lohnt es sich noch Bauer zu sein?“

Die heutige Zeit ist bestimmt durch:
• Wirtschaftlicher Druck zum Überleben (war allerdings schon früher vorhanden und hat sich bis heute nicht gemildert)
• Schnelligkeit auf allen Ebenen
• Vorwürfe der Konsumenten in Richtung Profitgier, Verbissenheit, Unfähig zur Kommunikation und von den Tierschützer der Vorwurf der nicht tiergerechten Haltung der Schweine. (Artikel in „unser hof“)
• Zurückziehen auf seine vier Wände oder zumindest hinter seine Mauern des Familienhauses oder des Hofes.
• Individualität und Selbstverwirklichung erschwert das Gemeinschaftsleben
• Mehr, und noch mehrt haben und sein wollen.
Ich möchte hier nicht die vielen Belastungen und berechtigten Schwierigkeiten, die ein Bauer heutzutage zu bewältigen hat aufzählen. Sie kennen das alles.
Ich will in dem zweiten Teil meiner Ausführungen darüber reden, warum es sich lohnt Bauer zu sein und es sich lohnt gerade heute Bauer zu sein.

Ich unterstütze voll die Ansicht von Josef Rehrl, der Leiter einer Landvolkshochschule in Niederaltach in Deutschland war und unter vielen andern Artikeln ein Plädoyer für die Bäuerlichkeit verfasst hat.
Darin sagt er:
Trotz eines scheinbar unabänderlichen Trends hin zu einer großräumigeren Landwirtschaft gibt es überzeugende Gründe für eine bäuerliche Struktur und Unterscheidung gegenüber der industriellen Landwirtschaft
Die herkömmliche Dreigenerktionenfamilie auf dem Bauernhof ist nicht nur ein sozialer Vorteil, sondern auch ein wirtschaftlicher. Sie erspart der Gesellschaft enorme Kosten bei der Versorgung der Alten, sowie durch Mithilfe dieser auf dem Hof.
Bäuerin und Bauer sein ist eine Lebensform und mehr als ein Beruf.
Durch die Verbindung von Arbeit, Wohnen und Familie, die Verantwortung für etwas Ganzes gibt Sinn und Die Fähigkeit Probleme zu lösen. (Ende des Zitats).

Die bäuerliche Struktur ist richtungsweisend für Veränderungen, die in naher Zukunft von der Wirtschaft nachvollzogen werden müssen. Jahrzehntelang wurde vorausschauendes Denken einem kurzen Gewinnstreben geopfert. Bauer sein heute bedeutet daher auch nachhaltig denken und wirtschaften
Landwirtschaft bedeutet für mich, Menschen zu ernähren, aber mit einer Produktion die ausgewogen und nachhaltig für unseren Lebensraum bestimmend ist.
Zum Berufsethos des Bauern gehört ja eine gesunde rückstandsfreie Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln!

Landwirtschaft hat nur Zukunft, wenn auch die Bauern Zukunft haben.

Daher ist jeder von uns aufgefordert, seinen Beitrag für ein Land mit seiner Vielfalt und Schönheit aber auch für ein Land mit gesunden Produkten für weitere Generationen zu leisten.
Das sind doch wirkliche Herausforderungen an den Bauern heute.

Ich bin fest davon überzeugt, dass die bäuerlichen Werte für unsere Gesellschaft so grundlegende sind, dass wir froh sein können, dass wir sie haben. Die bäuerliche Landwirtschaft ist eine besondere Form des Wirtschaftens und des Lebens.

(Internetschule der Landwirtschaft Lehrbrief 2.1.4)
1. der Landwirtschaftliche Betrieb und die Familie bilden eine Einheit
2. Die Arbeit am Hof wird von der Familie geleistet
3. Es wird eine effiziente Kreislaufwirtschaft betrieben. (mehrseitig wirtschaften – betriebseigene Düngermittelbeschaffung, wenig zugekaufte Produktionsmittel..).

Es gibt viele Gründe gerade jetzt in einer bäuerlichen Landwirtschaft ein Bauer zu sein:
• Sicherung einer Grundlebens-Basis
• Abwechslung- und erlebnisreiche Berufsarbeit als Familienarbeit
• Krisensicherheit
• Gute Bedingungen für Qualitätslebensmittelproduktion
• ´Zeitliche und wirtschaftliche Flexibilität
• Größtmögliche Nachhaltigkeit und Verantwortung für künftige Generationen
• Sicherung einer attraktiven Landschaft als Lebensraum für die ganze Gesellschaft
• Erhaltung und Förderung guter Beziehungen zu nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung
• Bäuerliche Werthaltungen leben und weitergeben.
• Nachhaltiges Denken und Handeln zur Erhaltung einer lebensfähigen und lebenswerten Welt
• Wertschätzung der Familien- und Dorfgemeinschaft
• Sinn für das Machbare und Reale
• Sinn für das Nicht beeinflussbare (Ausgeliefertsein der Natur)

Wenn ich mit Kolleginnen und Kollegen im psychosozialem Umfeld spreche, die auch mit anderen Berufsgruppen arbeiten, höre ich sie sagen: Die Menschen aus der Landwirtschaft sind so ganz anders. Sie sind noch geerdeter, ursprünglicher, wertkonservativer und überraschend offen. Sie sind, vor allem die Jungen, bereit auf die Zukunft zuzugehen.
In unserer Welt in der so Vieles unsicher ist, wo es immer weniger Klarheiten und klare Rahmenbedingungen gibt, vermitteln die Werte und Lebensweise der Bauern Sicherheit und Stabilität. Man weiß woran man ist.
Diese Ansicht teilen viele Autoren, die sich mit der bäuerlichen Lebensform in den bäuerlichen Betrieben auseinandergesetzt haben.

Ich bin sehr froh in Ihrem Umfeld arbeiten zu können. Neben all den Problemen und Schwierigkeiten, die nicht wegzuleugnen sind, gibt es so viel Hoffnung und Kraft in der Ländlichen Bevölkerung. Ich erlebe sie und das Zusammenarbeiten mit ihnen sehr ehrlich und aufbauend.

Zurzeit führt auf Initiative und unter der Mitarbeit von uns das soziologische Institut der Uni Graz, eine wissenschaftliche Untersuchung durch die Zum Thema hat: „Ist die bäuerliche Familie noch zeitgemäß oder ein Auslaufmodell?“ Die ersten Ergebnisse machen Mut.
Mut zu dem Wiederentdeckung der Werte, die im bäuerlichen Leben gelten. Mut zum Zusammenleben am Hof.
Zum Beispiel antworteten 90 Prozent der Befragten Bäuerinnen und Bauern auf die Frage: Wenn Sie ihr Leben betrachten, wie glücklich sind Sie alles in allem? Mit Völlig + sehr zufrieden. ( 84% Gesamtbevölkerung)
und 88 (88%) Prozent antworteten auf die Frage, wie zufrieden sind sie alles in allem mit ihrem Beruf ebenfalls mit Völlig+ sehr zufrieden.
Mit dem Familienleben sind ebenfalls 90 Prozent der Befragten völlig+ sehr zufrieden!
(88%)
Das Ergebnis wird aller Voraussicht sein: Die bäuerliche Familie ist zeitgemäß und hat Zukunft!

Ich weiß, dass heute das wirtschaftliche Überleben an der ersten Stelle steht.
Ich weiß, dass die Produktion von Nahrungsmittel die Basis ihres wirtschaftlichen Erfolges ist und das letztlich zwischen Kosten und Ertrag ein Gewinn da zu sein hat, der ein gutes Leben auf dem Hof als wirtschaftliche Basis erst ermöglicht.
Aber ich weiß auch, dass der wirtschaftliche Erfolg nur die eine Seite der Medaille ist. Was nützt es, wenn sie ausreichend Geld und Gut haben, die Familie aber zerrüttet ist, die Kinder vom Hof gehen und Frust und Feindschaft den Alltag bestimmen?
Die bäuerliche Lebensform ist für mich eine hervorragende Grundlage für ein gutes Familienleben. Man muss nur machen, was am Hof möglich ist.
Hier gilt das Wort: „ die Grenzen meiner Gedanken sind die Grenzen meiner Handlungen“.
Das Zusammenleben von Eltern und Kindern, von Alt und Jung in einer Mehrgenerationenfamilie, Arbeiten in der familiären Gemeinschaft, Gegenseitiges Lernen und unterstützen ist hier am Bauernhof, wie in keiner anderen Lebensform möglich.
Freilich kenne ich auch die Vorwürfe der Jungen an die Alten: „ Ihr habt ja nur Arbeiten im Kopf- Arbeiten, arbeiten und immer nur arbeiten!“ Die Ausrichtung auf Arbeit und Gewinn führt bei manchen Familien zu fatalsten Problemen. Wenn zum Beispiel in einem Betrieb die Beziehungen so belastet sind, weil zuerst die Tiere dann der Gast und Kunde, dann die Aufgaben in der Direktvermarktung und zum Schluss erst der Mensch in der Familie zählt, dann stellt sich die Sinnhaftigkeit und das Weiterführen des Betriebes wirklich in Frage!
Leben sie um zu arbeiten oder arbeiten sie um zu leben?
Die Präsidentin des Weltbauernverbandes, Evelyn Nguleka: We are Farmers, but we are at the same time businessmen.

Wenn ich also die Frage gestellt bekommen habe „Warum den gerade heute noch Bauer sein?
Dann ist die Antwort klar:
Ja – gerade heute
Das Land braucht den Bauern.
Besonders als Lebensmittelproduzent, der in einer globalen Welt immer wichtiger wird. Weil bei ihm weiß man, was er wie produziert.
Hier kann noch Vertrauen aufgebaut werden.
Das ist eine wesentliche Erkenntnis, wenn Konsumenten gefragt werden, warum sie beim Bauern kaufen.
Sie kaufen nicht nur das gesund produzierte Schweinefleisch, sie kaufen und schätzen zugleich alles, was sie positives mit dem Bauern verbinden. Bauern erfüllen die Sehnsucht vieler Menschen nach Natürlichkeit, Sicherheit, Tradition und Vertrautheit. (Wenn Menschen das nicht mehr finden dann sind sie enttäuscht und wenden sich verärgert von den Bauern ab!

Es ist nicht notwendig sich den Städtern anzupassen, es ist aber notwendig die eigenen Stärken, die eigenen Werte zu leben. Dann sind Bauern ein Vorbild, dann sind sie eine Berufsgruppe, deren Lebensform berechenbar und sichtbar ist und Sicherheit vermittelt und Vorbild sein kann.

Wen soll ich denn glauben, wenn ich nicht mehr meinem Bauern glauben kann?

Der Mensch hat dreierlei Wege, klug zu handeln: Erstens durch Nachdenken – das ist die edelste. Zweitens durch Nachahmen – das ist die leichteste. Drittens durch Erfahrung – das ist die bitterste
Welchen Weg wir auch beschreiten, hängt von uns selber ab. Ob wir den Betrieb im Vollerwerb halten, mutig sind, nach vorn in die Zukunft schauen und das Bestmögliche aus den vorgegebenen Bedingungen herausholen, oder vielleicht den Nachbarn nachahmen und nichts mehr investieren, das „Unternehmen“ Bauernhof auslaufen lassen. Durch die GAP – Reform bis 2020 bestehen wieder neue Möglichkeiten.

Von motivierten jungen Bauern habe ich mehrfach folgende Aussagen gehört:

„Ich habe Freude und Lust an meiner Arbeit. Sie gibt mir Kraft, Motivation und Innovation. Denn was ich aus Freude und Liebe mache, ist von Erfolg gekrönt und macht mich zufrieden.
Wir müssen uns selber um unser Image kümmern. Es fehlt bei den Konsumentinnen und Konsumenten vielfach das Verständnis für die bäuerliche Arbeit. Es ist schwierig, unsere Anliegen auf Augenhöhe zu diskutieren. Aber wir junge Bauern sind die besten Imageträger!“

Es darf nicht Ziel sein, dass es nur mehr Wachsen oder Weichen des Betriebes gibt. Nein, die Voll- und Nebenerwerbsbauern müssen gemeinsam den Weg in die Zukunft gehen.
Zwar ist die Existenzgarantie für jeden Betrieb weder durchsetzbar noch wünschenswert. Aber die Rahmenbedingungen müssen so verändert werden, dass Chancengleichheit gewahrt und die derzeitige Agrarstruktur nicht zerstört wird

Wir müssen die Konsumenten zu uns holen und mit gesunder Ernährung punkten
Unser Erfolgsrezept sind die Familienbetriebe. Die starke Verwurzelung ist wichtig. Dabei spielt es keine Rolle, ob man innovative Wege einschlägt oder traditionell wirtschaftet. Letztlich sind der wirtschaftliche Erfolg und der soziale Frieden entscheidend.
Wer kann dabei mithelfen? Die Politik, die die Rahmenbedingungen zu schaffen hat. Berufsvertretungen? Wo sind die weichenden Erben, die Menschen, die auf einem Bauernhof aufgewachsen sind und am ehestens noch Verständnis für die Lebens- und Produktionsweise am bäuerlichen Betrieb haben? Auch sie können in der Imagepflege wesentlich mithelfen.

Nochmals Josef Rehrl:

Mein Plädoyer für Bäuerlichkeit ist für mich mehr las ein „Hobby“ Es geht um Richtungsentscheidungen und um eine Alternative zur Vermassung, Anonymität, Existenzvernichtung, Wirtschaftskonzentration und enormen kulturellen Verlusten. Je weniger bäuerliche Betriebe, umso höher die Marktmacht einzelner Konzerne in Produktion und Vermarktung und deren Einfluss bis hin zum Ernährungsverhalten, zum Artenschutz und zum Lobbyismus. Die bäuerliche Landwirtschaft ist ein Bollwerk gegen diese Erscheinungen. – ist deren Struktur zerstört, kann sie kaum mehr zurückgewonnen werden.
Wir brauchen die bäuerliche Landwirtschaft, weil mit ihr lebt die Seele des Dorfes.

Daher sage ich aus vollem Herzen: „ja zum Bauern Sein heute“!!!

Vortrag von Eduard Ulreich 2016